Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#71

Nur ein paar Sprünge weiter fand ich ein System mit einem Raumdock und genügend hohem Techlevel. Nach der Landung gab ich die Reparatur in Auftrag und begab mich danach zu dem hiesigen Kartographiebüro. Der Verkauf meiner Daten nahm etwas Zeit in Anspruch, danach war ich mit etwas mehr als 236 Millionen erheblich besser gestellt.
Eine kleine Unruhe blieb allerdings, ich wusste nicht, ob das Geld für mein aktuelles Vorhaben reichen würde, doch das lies sich nur heraus finden, wenn ich es versuchte.

Als nächstes brauchte ich ein System nahe genug an TIPPU TIP, jedoch nicht im Imperialen Raum gelegen. Nach einer Stunde Suche in der Karte hatte ich etwas gefunden. Es lag noch im föderalen Raum und hatte eine große Coriolis-Station unter föderaler Kontrolle. Dorthin setzte ich einen Kurs.
Am nächsten Tag kamen wir dort an, dockten an und nach einer kurzen Besprechung mit Sabrina verließ ich das Schiff.
Ich hatte lange nach gedacht, ob ich mit einem eigenen Schiff auf die Station mit dem angeblichen Waisenhaus fliegen wollte, doch dann entschieden, dass ich lieber anonym bleiben wollte. Deshalb suchte ich in der Station den APEX-Schalter auf, charterte ein Schiff, das mich nach TIPPU TIP bringen würde. Mit dem Fernshuttle konnte ich jedoch nicht die Bodenstation auswählen, sondern musste die im Orbit befindliche Coriolis-Station auswählen.
Unterwegs versuchte der Pilot, ein Gespräch mit mir anzufangen, wollte wissen, wohin ich flog und warum. Eigentlich war er ja nett, doch mein Vorhaben sollte geheim bleiben, so gab ich nur einsilbige, unbestimmte Antworten. Schnell merkte er, dass ich keine Konversation machen wollte. Endlich gab er es auf und wir beide verfielen in ein unangenehmes Schweigen.

Die Stille nutzte ich zum Nachdenken. Ich war mir unsicher, wie ich mich bei dem Waisenhaus vorstellen sollte. Ob ich sagen sollte, ich wolle für mich kaufen, oder ob ich vorgeben sollte, für jemand anderen zu kaufen? Letzteres wäre jedoch komplizierter, je nachdem welche Fragen dann kämen.
Letztendlich würde ich wohl improvisieren müssen, je nachdem was dort auf mich zukommen würde.
Dass ich jedoch so anonym wie möglich bleiben wollte, war für mich eine feststehende Tatsache.
Am Ziel angekommen würde ich dafür einige Maßnahmen ergreifen müssen.

Der Rest des Fluges war nicht sehr angenehm, der Pilot und ich, beide waren wir froh, als wir endlich angekommen waren.
Ich stieg aus, ging in die nächste Bar, bestellte mir einen Drink, wartete etwa eine Stunde, ging in einen Laden für gebrauchte Raumanzüge, verließ den Laden mit einem halbwegs neu aussehenden Dominator. Suchte eine Bank auf, eröffnete dort ein namenloses Konto, zahlte darauf 350 Millionen ein, erhielt einen Creditchip, mit dem ich zu zahlen gedachte.
Meinen eigenen Artemis brachte ich in ein Schließfach.
Dann ging ich wieder zum APEX-Schalter.
Dort buchte ich jetzt einen Flug zur Station PEDRO BLANCO. Zuerst machte ich mir noch Sorgen, dass ich schief angesehen werden könnte. Doch niemand störte sich an meinem Ziel, die Person am Schalter, eine nette Dame in mittlerem Alter, wünschte mir sogar noch mit strahlendem Lächeln einen guten Flug.
Ich ging zu dem zugewiesenen Hangar, stieg in eine brandneue Hauler, setzte mich auf den zugeteilten Platz, der Pilot grüßte kurz, konzentrierte sich dann auf seinen Flug. Er versuchte gar nicht erst, ein Gespräch anzufangen. Dennoch war es im Cockpit nicht unangenehm. Irgendwie schaffte er es, das Schweigen nicht unfreundlich erscheinen zu lassen.

Nach einer halben Planetenumrundung ging er in den Landeanflug über, wir näherten uns rasch der Oberfläche. Bald kam die Station in Sicht, zuerst als kleiner Punkt, der größer wurde, das diffuse Etwas löste sich in unterscheidbare Strukturen auf, bald erkannte ich, dass es eine wirklich riesige Station war. Rings um die eigentliche Station zog sich ein Ring von Landebuchten, Hangars und aller für den Flugbetrieb notwendigen Infrastruktur. Schiffe landeten, flogen ab. Die Kommunikation verlief über unzählige Funkkanäle, trotzdem wäre das einzelne Gespräch in dem allgemeinen Aufkommen untergegangen und unverständlich, hätte nicht jedes Schiff eine zusätzliche digitale Signatur zugewiesen worden. Der Pilot holte sich seine Frequenz und Signatur, danach forderte er die Landeerlaubnis an.
Aufgrund des hohen Flugaufkommens wurde ihm jedoch eine Warteposition zweitausend Meter über der Station zugewiesen, er kreiste in der Höhe eine halbe Stunde, dann bekam er endlich ein Landepad zugewiesen. Rasch brachte er das Schiff hinunter, landete zielsicher, das Schiff wurde nach unten gebracht und endlich konnte ich aussteigen.

Rasch orientierte ich mich an einem Terminal, mein Ziel lag auf der dritten Ebene im inneren Ringkorridor.
Ich machte mich auf den Weg, nach kurzer Zeit stand ich vor einem unscheinbaren Schott. Ein Meldeschalter daneben, weder ein Name oder anderes stand darunter.
Auf dem Weg zu dem Schott war mir aufgefallen, dass es kein anderes Schott im üblichen Abstand gab. Der Bereich hinter dem Schott musste also sehr groß sein.

Wahrscheinlich würde ich das gleich erfahren, es gab also keinen Grund, länger zu warten.
Ich drückte auf den Schalter. Ein Ton erklang.
Ich wartete, eine Minute verging, nichts passierte.
Sollte ich den Schalter noch einmal betätigen?

Ich wollte gerade die Hand bewegen, als das Schott auffuhr, dahinter stand ein Typ, ebenfalls in einem Dominator. Auf seinem Rücken konnte ich links und rechts die Schulterstücke von Gewehren sehen. Was für Typen, war nicht zu erkennen. Der Blaster in seiner Hand dagegen, das violette leuchten im Lauf sagte mir eindeutig, dass er jeden Moment eine entsicherte Energiewaffe auf mich hätte richten können.

Sie sind wohl falsch abgebogen?
Nein, ich bin genau richtig, oder verkaufen Sie hier nicht, wie man mir gesagt hat?
Ob ich mich damit zu weit vor gewagt hatte? Ich achtete peinlich genau darauf wie er den Blaster hielt, war bereit, mich beim kleinsten Zucken zur Seite zu werfen.
Er musterte mich sehr lange, dann fragte er:
Wer hat Ihnen das denn gesagt?
Ein Freund, wichtiger Typ im Imperium, mehr darf ich nicht verraten.
Sein Name?
Ich lächelte nur und schwieg. Blickte ihn fest an.
Nach einer gefühlten Ewigkeit lächelte er zurück, die Hand mit dem Blaster entspannte sich, er sicherte die Waffe und steckte sie weg.
Hohe Empfehlung also, das genügt uns. Kommen Sie herein.
Ich trat ein, in einen kleinen Raum, darin ein Tresen, dahinter stand eine ältere Frau. Sie strahlte mich an.
Ein neuer Kunde, seien Sie uns willkommen, hier verkaufen wir nur das beste vom Besten.
Bitte treten Sie näher, aber leider, leider, sie müssen ihre Waffen abgeben.

Sie deutete auf ein Schließfach, dessen Tür offen stand, ein altmodischer Schlüssel steckte in der Tür, bitte da hinein.
Besser ich spielte mit, also legte ich meine Waffen in das Schließfach, verschloss es und steckte den Schlüssel in eine Tasche meines Anzuges.
Sehr schön, sehr schön, sie kommen unangemeldet, tut mir leid, tut mir leid, aber da müssen wir erst ein wenig vorbereiten. Was suchen Sie denn, das muss ich wissen?

Nun sehen Sie, ich gehe demnächst auf eine lange Reise in die tiefen der unerforschten Galaxie.
Und dort draußen wäre es schön, etwas Gesellschaft zu haben. Jemand mit dem man reden kann. Und der einem Gesellschaft leistet, speziell dann, wenn...
Ich brach hier bedeutungsvoll ab, zwinkerte ihr zu. Sie verstehen sicher, was ich meine?
Ja sicher, das versteh ich voll, genau dafür sind wir da. Offensichtlich hatte ich genau den richtigen Ton getroffen.

Aber eines muss ich noch wissen, was wirklich wichtiges, nämlich wie viel Sie aus zugeben bereit sind? Sie warf mir, immer noch strahlend, einen koketten Augenaufschlag zu, dabei machte sie jedoch mit der rechten Hand die universelle Geste für Geld.
Ich legte wortlos den Creditchip auf den Tisch, ohne meine Zustimmung konnte sie nichts abbuchen, nur sehen, welchen Betrag ich zur Verfügung hatte.
Sie legte den Chip auf ein Display, Zahlen erschienen darauf.
Ah, ich sehe schon, seh schon, nur so wenig. Na für unsere B-Ware reicht es, reicht gerade. Nur keine Sorge, Mr....
Smith, sagte ich kurz angebunden.
Sie strahlte mich noch heller an, wie schaffte sie das nur?
Mr. Smith, keine Sorge, das ist einwandfreie Ware, keine Beschädigungen, nur halt nicht unser bestes Angebot, taugt aber vollkommen, keine Sorge.
Aber, wir brauchen jetzt noch ein wenig Zeit, was machen wir so lange nur?

Sie redete ohne Pause, strahlte mich dabei immer weiter an.
Was halten Sie von einer Führung? Ja das wär doch was, ich lasse unseren Schulleiter kommen, der zeigt Ihnen dann alles.

Sie holte einen Kommunikator heraus. Öffnete einen Kanal, das Strahlen erlosch abrupt, und rief hinein:
Nabil, schwing deinen Hintern hier her, wir haben Kundschaft, die eine Führung braucht.

Sie sah wieder mich an, ihr Strahlen war wieder da, als wenn sie einen Schalter umgelegt hätte.
Nabil Vanegas Jaimes ist unser Schulleiter, der Zeigt Ihnen alles, bis wir soweit sind. Keine Sorge das wird Ihnen Gefallen, tut es bestimmt.

Sie redete und strahlte weiter bis ein älterer Herr mit dunkelgrauem Anzug auf uns zu kam.

Guten Tag verehrter Herr begrüßte er mich mit tiefer Bassstimme. Gitte sagt, ich soll Sie herum führen, dann folgen Sie mir mal.
Er ging einfach auf die Wand zu, kurz bevor er sie erreichte, öffnete sich dort ein bisher unsichtbares Schott.
Neugierig folgte ich ihm, vielleicht würde ich so ja noch nützliche Informationen bekommen.
Wie ich erfuhr, führte er mich durch eine Reihe von Gängen, die den Bewohnern weder zugänglich, noch bekannt waren. Hier konnte man beobachten, ohne dass sie etwas davon erfuhren.
Dann verhält sich unsere Ware natürlich, wir wollen ja keinen falschen Eindruck für unsere Kunden liefern.
Zuerst zeigte er mir, wie die Mädchen hier wohnten, darunter war auch ein absolut ungefilterter Blick in die Hygieneräume. Es gab absolut nichts, das einem Beobachter hier verborgen blieb.
Er genierte sich nicht einmal, mir zu zeigen, wie ein Mädchen die Toilette benutzte.

Danach führte er mich an verschiedenen Sportanlagen vorbei, zeigte mir die Gemeinschaftsräume.
Als nächstes folgten Zimmer für sehr persönliche Schulungen, in einem dieser Räume war ein nacktes Mädchen gerade mit einem jungen Mann zu Gange.
Innerlich widerte es mich an, wollte ich gar nicht zusehen, musste aber gute Mine machen und Interesse heucheln.

Als nächstes kam ein Schulzimmer, hier wurde den anwesenden Mädchen gerade ein Vortrag gehalten.
Ah da haben Sie Glück, sprach der Schulleiter, das hier ist ein Schlüsselelement unserer Erziehung. Das kann man nicht oft beobachten, findet in jedem Schuljahr nur ein paar mal statt.
Dann muss es ja wichtig sein, gab ich Interesse heuchelnd vor. Was genau passiert da denn?
Wollen Sie zuhören?
Ist das denn möglich?
Natürlich, er holte ein kleines Gerät hervor, betätigte eine Schaltung und auf einmal war zu hören was in dem Raum gesprochen wurde.

...ist das schaffen von dauerhaften Werten eine Illusion.
Die Menschheit, gefangen in den Wirren der Zeit, erschafft Werke, anscheinend von beeindruckender Schönheit und Komplexität. Doch inmitten ihrer Schaffenskraft und Innovationsfreude wird sie von einer unausweichlichen Realität konfrontiert: der Vergänglichkeit ihrer eigenen Werke im Angesicht der kosmischen Zeiträume. Deshalb erkennen wir die Sinnlosigkeit von menschlichen Schöpfungen anhand der endlosen Weite des Kosmos.

Die Kurzlebigkeit menschlicher Werke ist offensichtlich.
Die Errungenschaften der Menschheit, seien es Bauwerke, Kunstwerke oder technologische Innovationen, scheinen auf den ersten Blick von Beständigkeit geprägt zu sein. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar, dass alles, was Menschen schaffen, dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit unterliegt. Monumente, die Jahrhunderte überdauert haben, erodieren und zerfallen letztlich doch.
Die Pyramiden von Gizeh, die antiken Tempel Griechenlands oder die majestätischen Kathedralen des Mittelalters - sie alle verfallen im Laufe der Zeit zu Staub. Selbst modernste Technologien, so bahnbrechend sie auch sein mögen, sind nicht immun gegen den Zahn der Zeit. Die Vergänglichkeit menschlicher Werke ist eine unausweichliche Realität, die jede Ära betrifft.

Die kosmische Perspektive vertieft die Sinnlosigkeit des Schaffens nur noch.
Betrachtet man die zeitliche Dimension des Universums, wird die Flüchtigkeit menschlicher Werke noch deutlicher. Der Kosmos, geboren vor rund 13,8 Milliarden Jahren, hat eine Geschichte, die in unvorstellbar langen Zeiträumen gemessen wird. Galaxien entstehen, sterben und kollidieren, Sterne vergehen, und ganze Planetensysteme verschwinden im Nichts.
Vor diesem kosmischen Hintergrund erscheinen die Werke der Menschheit, die oft nur Jahrtausende oder Jahrhunderte alt sind, als winzige, flüchtige Lichtblitze. Selbst die beeindruckendsten Errungenschaften der Menschheit verblassen im Vergleich zu den unendlichen Weiten des Universums. Die Erde selbst wird irgendwann dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit erliegen, wenn die Sonne ihre Energie erschöpft und zu einem Roten Riesen wird.
Dies betrifft ebenso alle anderen von Menschen besiedelten Systeme, nicht ein Habitat, ob natürlich oder künstlich geschaffen kann dem Sterben der Sterne widerstehen.

Die absolute Bedeutungslosigkeit im Angesicht der Vergänglichkeit ist unübersehbar.
In der Vergänglichkeit menschlicher Werke und ihrer Bedeutungslosigkeit im kosmischen Maßstab liegt darin eine absolute Tragik. Die Kreativität und Schaffenskraft der Menschheit, ihre Bestrebungen, ihre Suche nach Bedeutung und Schönheit haben in der Endlichkeit keinen Bestand.

Die Vergänglichkeit menschlicher Werke im Bezug zu kosmischen Zeiträumen wirft ein verzehrendes Licht auf die Menschheit und ihre kulturelle Evolution. Unsere Schöpfungen erliegen der Kurzlebigkeit. Sie tragen ausschließlich dazu bei, die Sinnlosigkeit unserer Existenz einzufangen. In unserem Bestreben, dem Universum einen Hauch von Dauer zu verleihen, auch wenn die Sterne längst erloschen sind, verfallen wir der absoluten Bedeutungslosigkeit.

Der Vortrag war noch länger, doch hier schaltete ich innerlich ab. Zu negativ wurde hier die menschliche Existenz dargestellt. Damit konnte ich absolut nicht konform gehen.
Es kam mir fast so vor, als würde ich wieder mit Sabrina über Sinn und Unsinn meiner Forschung...
Schlagartig wurde mir klar, wie perfide hier vorgegangen wurde. Es fiel mir einen Moment lang sehr schwer, meine Maske aufrecht zu halten. Zum Glück sah der Schulleiter nicht mich an, sondern verfolgte gebannt den Vortrag und beobachtete, wie die Mädchen darauf reagierten.

Hier wurde den Mädchen eingetrichtert, dass ihre Existenz absolut sinnlos war, sie nie etwas dauerhaftes schaffen könnten. Kein Wunder, dass Sabrina sich nie an der Schönheit des Universums hatte erfreuen können. Vermutlich waren sie, sobald sie diese Lehren verinnerlicht hatten, bereit für ihr Leben als Sklavinnen.

Das Entsetzen fraß sich tief in mich, zeigte sich wohl auf meinem Gesicht, doch ich musste meine Maske bewahren, konnte mich aber nicht mehr beherrschen, ich...
NABIL! Bring unseren Gast in den großen Saal, wir sind für die Vorführung bereit.
Über unsichtbare Lautsprecher hatte Gitte nach uns gerufen.

Mein vor Entsetzen verzerrtes Gesicht löste sich durch den Schreck. Nabil drehte sich zu mir, ich hatte mich wieder gefangen.
Kommen Sie, hier entlang, wir gehen in den großen Saal.

Dort angekommen erwartete uns Gitte, ein Tisch mit Getränken, davor ein bequemer Sessel, ich sollte dort platz nehmen. Vor mir eine Bühne mit geschlossenem Vorhang.
Dann wollen wir mal beginnen, sprach Gitte mich an, wir führen jetzt die Mädchen vor, aus denen Sie ihre Wahl treffen dürfen.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#72

Der Vorhang öffnete sich langsam, dahinter war es Dunkel. Ein Scheinwerfer leuchtete auf, stanzte einen Kreis aus wohl dosierter Helligkeit auf die Mitte der Bühne.
Dort hinein trat eine junge Frau, sie sah eher noch aus wie ein Mädchen.
Allerdings war sie bis auf zwei hochhackige Schuhe nackt. Schamlos zeigte sie sich mir im Licht des Scheinwerfers, dazu erläuterte mir Gitte worin ihr Vorzüge lägen.
Mehrere Mädchen wurden mir so vor geführt, alles hübsche, junge Frauen, wäre man ihnen unter normalen Umständen begegnet, hätte man sich durchaus verlieben können. So jedoch wurde mir in schamloser Offenheit erklärt, wofür man sie benutzen könne.
Es ging eine Stunde lang in dieser Weise weiter, dann auf einmal wurde das Licht abgeschaltet.
Nun kommen wir zu unserer besonderen Kollektion, sprach Gitte.
Ware für den weniger aktiven Kunden, der lieber reagiert als agiert. Sie kicherte. Rief dann laut, weiter machen. Die Bühne wurde in gelbes Licht getaucht. Eine Frau trat auf die Bühne, zu meiner Überraschung war sie nicht nackt, trug ein kurzes Kleid in gelb, dazu passende Schuhe und einen ebenfalls in variierenden Gelbtönen gehaltenen Hut.
Jetzt präsentieren wir Ihnen Niru, unsere Meisterin des goldenen Wassers.
Gitte erklärte die Bedeutung, ich spare mir, diese Widerlichkeit wieder zu geben.

Nachdem ich nicht darauf reagierte, wurde die Bühne wieder geräumt, als nächstes änderte sich die Beleuchtung auf eine Weise, die ich nur schwer definieren konnte.
Eine weitere bekleidete, junge Frau trat auf die Bühne, gekleidet in einen knallbunten Hosenanzug.
Auffällig waren ihre, ich kann es nicht anders beschreiben, kräftigen Wangen, während sie auf der Bühne posierte lutschte und saugte sie an einem Lolly,
Dies ist Krewrov. Gitte zwinkerte mir zu. Die gute kann eine Banane aus der Schale saugen, kein Scherz.
Nachdem ich auch jetzt nicht reagierte, wurde wiederum die Bühne neu vorbereitet.

Es wurden noch mehrere junge Frauen in verschiedener Kleidung und teilweise mit erstaunlichen Accessoires vor gestellt, nicht alle Namen konnte ich behalten, in Erinnerung blieben mir noch:
Tabata Esroh – Rittmeisterin
Samira Obirah – Leidenschaftliche Sicherheitsfanatikerin
Tok Tok – Meisterin der Chocolaterie
und Sam Etabrut – Handwerksmeisterin.

Nach einer Weile war die Vorstellung zu ende. Gitte sah mich an. Na, war da nichts dabei für Sie?
So ruhig wie sie geblieben sind, könnte man denken. Aber nein, sie wussten schon was Sie hier bekommen können. Sind wohl schüchtern?
Sie klatschte in die Hände, alle Mädchen traten auf die Bühne, stellten sich nebeneinander auf. Sehen Sie ruhig genau hin, falls es für Ihre Entscheidung nötig ist, können wir auch gerne eine... intensivere Vorführung arrangieren.
Nein, das ist es nicht. Ich überlegte fieberhaft, welches Mädchen ich mit nehmen sollte. Da es mir nur um die Antwort darauf ging, wie man die Konditionierung brechen könne, sollte es egal sein, doch irgendwie fiel mir die Wahl irrsinnig schwer. Alle vorgeführten Frauen taten mir leid, und doch würde ich nur eine einzige retten können. In meiner Verzweiflung stand ich auf, trat näher an die Bühne heran, wollte schon auf ein beliebiges Mädchen deuten, da sah ich im Schatten hinter ihnen eine Bewegung. Angestrengt starrte ich dorthin, offenbar verbarg sich dort noch ein weiteres Mädchen.

Haben sie mir doch nicht alle gezeigt? Fragte ich Gitte und deutete auf das nur andeutungsweise erkennbare Mädchen.
Ach nein, da liegen sie falsch, die würden wir ihnen nie zeigen wollen. Ist nur Abfall, taugt absolut nichts. Lernt nicht gut, spricht dazu noch schlecht auf unsere Erziehung an.
Und dann hat sie nicht mal Spaß am Sex, ist also total ungeeignet, nicht verkäuflich, hat deshalb auch noch keinen Namen bekommen, ein absoluter Verlust.
Um unsere Unkosten zu minimieren, haben wir sie für die Ernte frei gegeben.

Tatsächlich? Was soll sie denn ernten?
Gitte sah mich einen Moment lang seltsam an. So ist das nicht, da könnten wir ja ewig auf unser Geld warten, nein wir lassen ihre Organe ernten, die bringen wenigstens noch ein wenig Geld.

Sie sprach in dem Moment mit einer Eiseskälte und Gleichgültigkeit davon, das Mädchen auf diese Weise umzubringen, dass ich vor Entsetzen total blass geworden sein musste. Mit extremster Anstrengung versuchte ich meine Maske aufrecht zu halten, ganz konnte es mir aber nicht gelungen sein.
Aber was haben Sie denn? Gitte sah mich besorgt an.

Ich fing mich wieder, innerlich hatte ich meine Wahl getroffen.
Nun, wenn Sie das Mädchen sowieso los werden wollen, versuchte ich so gleichgültig wie möglich zu sagen, dann könnte ich sie doch sicher günstig bekommen.

Ohhh, Gitte sah mich intensiv an, ihr Blick ruhte lange auf mir, war ich etwa aufgeflogen? Ich kämpfte mit eiserner Beherrschung den Fluchtimpuls nieder, der sich in mir aufbaute. Dann hellte sich ihr Blick auf, sie strahlte wieder. Ahhh, so einer sind sie also. Nur keine Sorge, wir verurteilen das nicht, ganz sicher nicht.
Sie winkte nach hinten, das Mädchen trat langsam vor. Im Licht erkannte ich eine junge Frau mit dunklem Teint, dazu ein nicht allzu hübsches Gesicht mit strengem Blick.
Ihre Figur schien mir knabenhaft, Gitte hieß sie näher zu kommen.

Dieses Mädchen ist natürlich nicht ganz billig, hat ihren Preis.
Ich musste lachen, gerade haben Sie noch gesagt, sie ist nichts wert. Und jetzt...
Die Nachfrage regelt das Angebot, sie zwinkerte mir zu.
Na gut, reden wir offen, wie hoch sind denn ihre Ausgaben bis jetzt gewesen?
Öhhh, sie drehte sich zu Nabil, sag mal was haben wir in die Niete investiert?
Er flüsterte ihr etwas zu, leider konnte ich es nicht verstehen.
Sie strahlte mich wieder an, Sie haben Glück, wir können ihnen das Mädchen für 250 Millionen überlassen.
Ich grinste, das kommt mir aber sehr viel vor, ich biete 150 Millionen, soviel haben Sie sicher nicht investiert, Sie verdienen also immer noch was und wir sind alle glücklich.
Ohh nein Mister, das sehen sie falsch, wir haben hier sehr hohe Kosten, Heizung, Essen, Kleidung, Medizinische Betreuung und so weiter...
Wir feilschten noch eine weile hin und her, am Ende legte ich 195 Millionen auf den Tisch.
Die endgültige Übergabe musste aber noch etwas warten, zuerst musste ich in einem Büro etliche imperiale Dokumente abzeichnen, erhielt im Anschluss eine Besitzurkunde und Einen imperialen Identitätsausweis. Erstaunlicherweise war auch darin kein Name verzeichnet.
Da steht kein Name drauf, ist der Ausweis denn überhaupt gültig?
Machen Sie sich keine Sorgen, das stört gar nicht, absolut alles gut.

Dann gab mir Gitte noch einen versiegelten Umschlag.
Das sollten sie sehr sorgfältig aufbewahren, lassen Sie unter keinen Umständen zu, dass ihr neuer Besitz davon Kenntnis bekommt, dass sie das haben.
Warum? Was ist das? Auch wenn ich bereits eine Ahnung hatte, spielte ich den Ahnungslosen
Nun, es soll Fälle geben, in denen sich der Besitzer von seiner Ware trennen muss, oder ihr aus anderen Gründen die Freiheit schenken möchte.
In dem Umschlag befinden sich die Anweisungen, die dafür nötig sind.

Ich drehte den Umschlag in meinen Händen, ist das schon vor gekommen?
Wir wissen nur von einem einzigen Fall. Doch da wir unser Geschäft ernst nehmen, und es nicht immer möglich ist, uns in solch einer Situation zu kontaktieren, geben wir das jedem Käufer an die Hand.
Ich glaube ja nicht, dass ich das brauche. Doch wenn es mit zu meinem Neuerwerb gehört...Ich steckte den Umschlag in eine Tasche meines Anzuges, versiegelte sie.

Gitte erhob sich, dann ist hiermit alles geklärt, Sie sind nun der rechtmäßige Eigentümer von... Ach Mist, sie hat ja keinen Namen...
Egal, ich versuchte mich an einem schiefen Grinsen, scheinbar gelang es mir, so was braucht mein neues Spielzeug doch nicht unbedingt.
Gitte strahlte mich wieder an. Noch eine kleine Kleinigkeit, sehr wichtig, ich hole das Mädchen gleich herein, dann müssen Sie zu ihr noch „Ich akzeptiere Dich“ sagen, danach ist ihre Inbesitznahme abgeschlossen.
Der selbe Prozess wie bei Sabrina, auch wenn ich ihn dort versehentlich ausgelöst hatte. Das ließ mich hoffen, dass die Befreiungsprozedur ebenfalls standardisiert war.
Sie brachten das Mädchen herein, ich sprach die verhängnisvollen Worte, ihre Augen leuchteten kurz auf. Damit war alles getan.

Gitte begleitete uns ins Foyer, dort nahm ich meine Waffen wieder an mich. Unter einer überschwänglichen Verabschiedung verließen wir beide das Haus.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#73

Auf dem Korridor sagte ich dem Mädchen, dass es mir folgen solle. Sie tat es, wenn auch mit deutlich sichtbarem Missfallen in ihren Augen.
So rasch als möglich ging ich zum APEX-SCHALTER, buchte einen Flug für uns beide zurück zu der Coriolis-Station im Orbit.
Wir hatten Glück, nur fünf Minuten später konnten wir einsteigen, die ADDER hatte gerade genug Platz für uns und den Piloten. Beim Einsteigen begrüßte er uns, lächelte meiner Begleiterin zu, doch diese starrte ihn nur eisig an. Ich zuckte die Schultern, tut mir leid, sie hatte keinen guten Tag. Der Pilot schien sich damit zufrieden zu geben, doch jede Freundlichkeit war aus seinem Blick verschwunden. Wortlos startete er sein Schiff, brachte uns an unser Ziel. Schnell verließ ich zusammen mit ihr das Schiff und den Hangar.

Auf der Station holte ich meinen Raumanzug ab, dann buchte ich den Flug zurück zu meinem Schiff. Leider mussten wir diesmal eine Stunde warten, bis das Schiff für uns eintreffen würde.
Ich ging mit ihr in die Bar, suchte uns einen Tisch, fragte, was willst Du trinken?
Egal. Mehr sagte sie nicht.
Beim Barkeeper besorgte ich mir zwei Mojitos, brachte diese zurück an den Tisch. Stellte ihr den einen hin, den anderen vor mich. Sie rührte den Drink nicht an, saß nur da still, reglos.
Schweigend sahen wir uns an, nach einer Minute beschloss ich, den Anfang zu machen.
Wie heißt Du eigentlich?

Ist doch egal! Wenn Du mich vergewaltigst, wirst Du doch keinen Namen für mich brauchen!
Sie sprach leise, aber mit derartiger Kälte in der Stimme, wie ich es noch nie gehört hatte.
Einen Moment lang war ich wie erstarrt, dann riss ich mich zusammen.
Du irrst Dich, ich werde dich nicht vergewaltigen.
So? Nicht? Denk bloß nicht dass ich dir das glaube. Aber ich sag's Dir gleich, ich hab keinen Spaß dabei und Du auch nicht.
Wie ich sagte, ich werde dich nicht...
Ach lüg mich nicht an, Du...
Hör sofort auf!
Sofort war sie still, verdammt, genau das wollte ich vermeiden, und doch, sie hatte mich dazu getrieben. Ich setzte neu an.
Weißt Du eigentlich, dass ich Dir das Leben gerettet habe? Sie hatten vor, dir die Organe zu entnehmen, bevor ich kam und dich gekauft habe.
Ja weiß ich, aber glaub bloß nicht, dass ich Dir dankbar bin! Nicht bei dem was Du mit mir vor hast!
Sie wollte mir nicht glauben, kein Wunder, dachte ich. Sie hatte sicher sehr oft gesehen, wie jemand anderes dort eine Sklavin gekauft hatte, woher sollte sie wissen, dass ich ganz andere Pläne hatte. Und selbst wenn ich es ihr gesagt hätte, warum hätte sie mir glauben sollen.

Lassen wir das, ich trank von meinem Mojito, deutete auf ihren Drink, los trink mal was, wir müssen bald los.
Zu meinem erstaunen trank sie tatsächlich, das ganze Glas in einem Zug.
Mit einem heftigen Ruck stellte sie das Glas auf den Tisch. Ich trank ebenfalls aus, brauchte dafür aber drei Züge.
Dann erhob ich mich, winkte ihr, sie folgte mir tatsächlich, ohne dass ich es sagen musste.
Wir gingen zur Abflughalle, unser Flug wurde aufgerufen.
Auch dieser Flug wurde schweigend absolviert. Ich war heilfroh, als wir aussteigen konnten.
Ein wenig besorgt war ich, dass im föderalen Raum Jemand auf der Station heraus finden könnte, dass meine Begleiterin eine imperiale Sklavin war. Doch da sie stur schwieg und auf niemanden reagierte, kamen wir gut voran, konnten uns unbehelligt zu meinem Schiff begeben.

Kurz schien sie beeindruckt, als wir durch den riesigen Hangar auf meine Anaconda zu gingen, doch dann machte sie wieder ein undurchdringliches Gesicht.
Endlich erreichten wir die Schleuse, stiegen ein, ich schloss das äußere Schott und atmete tief durch.
Der Spießrutenlauf war beendet.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#74

Die innere Schleuse öffnete sich, hinter dem sich seitwärts in die Wand verschiebenden Schott tauchte Sabrina auf.
Da bist Du ja endlich und Du hast... Sie verstummte. Ich konnte sehen, wie ihre Pupillen sich weiteten. Nur warum, das konnte ich nicht wissen.
Sabrina schluckte, setzte zum Sprechen an, schluckte noch einmal, atmete tief ein, dann...
Du hast ausgerechnet SIE mit gebracht? Die taugt noch nicht mal für...
Ach hör schon auf, Miss ich bin so großartig und kann alles.
Meine neue Begleiterin war ihr ins Wort gefallen. Dabei folgst Du doch auch nur deiner Konditionierung, als ob das so besonders wäre.
Ihr kennt Euch?
Nicht gerade die klügste Frage, die mir da zuerst in den Sinn kam. Eigentlich hätte ich es mir ja denken können, doch bei all der Aufregung hatte ich das offensichtliche verdrängt.
Ja klar, wie könnte man sie vergessen, Miss perfekt, die Jahrgangsbeste, vor allem beim Sex.
Sag mal, wie hast Du es geschafft zu verschwinden? Hast irre viel Aufregung verursacht, alle Mädchen hassen Dich weil sie das Haus einen Monat lang abgeriegelt haben, stündlich wurde durchgezählt, bei allen lagen die Nerven blank, fast hätte sich eine der unteren Chargen umgebracht, das hat sie dann doch aufgerüttelt. Hat aber noch etwas gedauert, bis sie die Suche aufgegeben haben.

Das kann Sabrina dir später erzählen, jetzt sollten wir erst mal von der Station verschwinden.
Ach, wohin solls denn gehen? Wo willst Du mich das erste mal vergewaltigen?
Hör auf!
Erstaunlicherweise kam das nicht von mir, sondern von Sabrina.
ICH soll aufhören? Wer hat mich denn gekauft? Anscheinend bist Du nicht das was er will. Sie lachte, ein kaltes lachen, das immer leiser wurde, und am Ende tatsächlich in ein Schluchzen überging.
Sabrina eilte zu ihr. Nein, das ist es nicht, er hat ganz andere Pläne. Komm mit, ich erklär Dir alles.
Sie sah mich an, ihr Kopf nickte in Richtung Zentrale. Ich verstand.
Okay, danke, denk bitte daran, dass ich dann gleich los fliege. Nicht dass euch was geschieht.

Sie nickte, nahm das andere Mädchen in den Arm und ging in Richtung ihrer Kabine.
Ich sollte ihr einen Namen geben, dachte ich noch, so war es verdammt schwer, über sie nachzudenken.
Jetzt nicht, ich riss mich los, eilte in das Cockpit, leitete die Startprozedur ein.

Kurze Zeit später waren wir im freien Raum, die Sicherheitszone lag hinter uns.
Ich suchte mir einen Kurs zu dem ersten System außerhalb der Zivilisation, mehrere Sprünge brachten uns dort hin.
Ein L-Stern mit intensiv roter Farbe tauchte nach dem Sprung vor uns auf, der Scan ließ drei Himmelskörper erkennen, eine Eiswelt war für die Landung geeignet.
Dorthin steuerte ich das Schiff, ging in den Landeanflug über, kurze Zeit später standen wir auf der eisigen Oberfläche nahe einer Klippe.

Sabrina kam in die Zentrale. Sie schläft gerade, war gar nicht leicht sie davon zu überzeugen, dass Du ihr nichts antun willst.
Ja, das hat sie mir mehrfach vorgeworfen, Scheinbar hatte sie es nicht leicht im Waisenhaus.
Kennst Du sie denn, hattest Du früher mit ihr zu tun?

Nicht viel, sie war immer das schwarze Schaf, nie war man mit ihr zufrieden, dazu kommt noch ihre Abneigung Männern gegenüber.
Sabrina kicherte, bei der Selbstverteidigung hat sie ihre Lehrer ein paar mal ganz schön übel zugerichtet, eh sie ihr den Befehl zum Aufhören geben konnten. Sei also lieber vorsichtig.
Keine Sorge, ich passe auf.
Ich erhob mich, ich gehe in meine Kabine, bitte stör mich ne Weile nicht.
Sabrina sah mich an. Hat es was mit unserer... Befreiung zu tun?
Ich nickte. Ja, ich muss mir ansehen, wie es funktioniert.

O kay, dann... Ich schaue nach... Sie sah mich an. Sie hat noch nicht mal einen Namen bekommen...
Ja, das ist bitter, ich denke, darum werden wir uns kümmern müssen. Doch vorher...
Ja, vorher...
Wir trennten uns, jeder ging in seine Kabine.

Kaum darin, verriegelte ich das Schott. Auch wenn ich wusste, dass Sabrina jederzeit herein kommen konnte, wenn sie wollte. Es würde mir doch einen Moment der Ruhe verschaffen.

Ich setzte mich auf mein Bett, holte den Umschlag heraus und öffnete ihn.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#75

Aus dem Umschlag zog ich ein dreifach gefaltetes Blatt Papier. Eigenartig dachte ich, dass sie ein derart veraltetes Material verwendet hatten. Beinahe überall verwendete man heute wesentlich haltbarere Folien.
Nicht mit solchen Nebensächlichkeiten aufhalten, sagte ich mir und entfaltete das Blatt.
Bedruckt war es nur auf einer Seite, darauf stand zu lesen:

Wenn Sie dies lesen, haben Sie sich offensichtlich entschieden, ihrem Sklaven die Freiheit zu schenken.

Beachten Sie!
Sie müssen sich absolut sicher sein!

Sobald Sie den Prozess beginnen, MÜSSEN Sie ihn vollständig durchführen!
Ein Abbruch kann zu unvorhergesehenen Problemen führen!

Bitte beachten Sie:
Nach Paragraph §75035760 des Imperialen Rechts erlischt jeglicher Garantieschutz, sobald die Ware durch Manipulation verändert wurde, auch wenn sie vom Hersteller autorisiert/erklärt oder in jeglicher Art und Weise beschrieben wurde. Das Imperium verweigert in diesem Fall jegliche Gewährleistung. Eigenständig vorgenommene Modifikationen gefährden die Garantie gänzlich. In solchen Fällen übernimmt der Händler keine Haftung mehr, und ein Anspruch wird nicht anerkannt.

Führen Sie folgende Anweisungen exakt und vollständig aus:

Befehlen Sie dem Sklaven sich zu setzen, still zu sein und aufmerksam zuzuhören bis sie zweimal in die Hände klatschen.

Lesen Sie laut und deutlich folgendes vor:

Eine Katze läuft über das Dach.
Zweiundsechzig.
Immer sind Worte der Zufall.
Abendland.
Nichts ist wichtig.
77755935.
Punkt und Schokolade.
Acht Acht Norden.
Heute wird nicht Morgen für das Brot.
Es läuft keine Katze nach Nirgends.

Klatschen Sie zwei mal in die Hände.

Ihr Sklave wird nun nach einer kurzen Phase der Irritation frei sein.
SIE HABEN KEINE MACHT MEHR ÜBER IHN.


Ich las mir das ganze mehrmals durch, um sicher zu gehen, dass ich alles richtig verstand.
Dann stand ich auf, es war an der Zeit, mein Vorhaben zu Ende zu bringen.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#76

Vor Sabrinas Kabine blieb ich stehen, überlegte wo ich die Prozedur vornehmen sollte.
Die Aussichtslounge kam mir in den Sinn, voll verglast, mit genügend Sitzgelegenheiten.
Wofür die Konstrukteure sie in der Anaconda eingebaut hatten, wusste Niemand so recht.
Mir war nicht bekannt, ob je ein Pilot sie wirklich genutzt hatte.
Nun gut, das würde auch für mich und mein Schiff eine Premiere werden. Noch dazu eine sehr bedeutungsvolle.

Ich meldete mich an, Sabrina öffnete, ich trat ein. Auf dem Bett nahe dem Fußende saß das Mädchen, das ich gekauft hatte.
Gekauft, allein der Begriff ließ mich erschauern, kam mir pervers vor. Einzig der Grund warum ich es getan hatte, erleichterte mir den Gedanken.
Ist es soweit? Sabrina sah mich unsicher an, da Mädchen auf dem Bett hatte den Kopf sah zu mir herüber, ihre Augen feucht, zusammen gepresste Lippen, sie schien immer noch nicht zu glauben, dass ich ihr nicht schaden wollte.
Ja, kommt bitte mit in die Aussichtslounge.
Dort? Warum?
Ich glaube, dass es angemessen ist, und dort gibt es genügend bequem Sitzgelegenheiten.
Ach, soll es dort zum ersten mal passieren? Wieder die gleiche traurige und vorwurfsvoll gestellte Frage.
Nein, dort schenke ich Euch die Freiheit.
Glaub ich nicht.
Sabrina sah mich bedeutungsvoll an. Sie glaubt auch mir nicht, denkt, dass ich nur sage, was Du mir befohlen hast.
Ja wir hängen da wohl fest, kannst Du sie zur Lounge bringen? Es gibt wohl nur eine Möglichkeit, sie zu überzeugen und dafür müssen wir das jetzt durch ziehen.
Okay, sie nahm das Mädchen an der Hand, los komm, lass es jetzt hinter uns bringen.
Das Mädchen stand auf, folgte mir, von Sabrina geführt, Tränen in den Augen.
Beinahe hätte ich mit ihr geweint, aber ich musste mich zusammen reißen, durfte keinen Fehler begehen.

Endlich waren wir in der Lounge. Dort angekommen verriegelte ich das Schott, zog das Papier heraus, sah die beiden an.
Es tut mir leid, aber ich muss Euch jetzt noch ein letztes mal etwas befehlen.
Sabrina riss die Augen auf, sah mich schockiert an, das Mädchen kreischte auf, riss sich los und rannte auf das verschlossene Schott zu, wollte es öffnen, doch es blieb geschlossen.
Kaum hatte sie dies realisiert, drehte sie sich um, ihr Gesicht eine einzige Fratze des Entsetzens.

Es half nichts, ich musste es jetzt tun. Ich hob die Stimme, sprach laut und deutlich.
Setzt euch beide, seid still und hört mir genau zu bis ich zweimal in die Hände klatsche.

Wie ich es bereits mehrere Male erlebt hatte, verfehlte ein Befehl seine Wirkung nicht.
Auch wenn beide das Gesicht verzogen, so gehorchten sie doch, setzten sich jede auf einen der bequemen Sitze. Merkwürdigerweise ließen sie dabei zwei Sitze zwischen sich frei.

Egal, jetzt musste ich ihnen die zehn Codesätze vorlesen.
Ich begann.

Eine Katze läuft über das Dach.
Zweiundsechzig.
Immer sind Worte der Zufall...


Rglos hörten die beiden mir zu. Ich ging die Prozedur Satz für Satz durch, zuletzt sagte ich laut und deutlich:

Es läuft keine Katze nach Nirgends.

Die beiden zeigten noch immer keinerlei Regung.

Ich klatschte zwei mal.

Noch immer nichts, ich wartete mehrere Sekunden, nichts passierte, die beiden saßen weiter reglos.
Hatte ich etwas falsch gemacht? Was konnte ich jetzt tun? Sollte ich..
Da regte sich das Mädchen, sah mich an, ihr Mund öffnete sich, ich hörte ein ohhhhhhhhhhhhhhhh.
Das ist ja...
Sie verstummte wieder. Sah mich nur sehr seltsam an.

Sabrina brauchte etwas länger, dann veränderte sich ihr Gesichtsausdruck.
Unglauben, Verwirrung und Unsicherheit wechselten sich in rascher Reihenfolge ab. Mehrere male öffnete und schloss sie ihren Mund. Ihre Augen flackerten, sie schloss und öffnete die Lieder in hektischer Abfolge, dann hob sie die Hände, stand auf, sie riss ihre Augen weit auf, atmete tief ein, stieß die Luft durch den Mund aus. Ihre Hände öffneten und schlossen sich mehrere male.
Dann hielt sie sich den Kopf, zerwühlte ihr Haar, der Gesichtsausdruck wandelte sich zu entsetzen.

Sabrina begann zu schreien.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#77

Sabrinas Schreie hallten durch das Schiff, schreckensstarr lauschte ich den schaurigen Echos, die von den metallenen Oberflächen zurück geworfen wurden.
Sie hielt ihren Kopf und schrie, schrie bis ihr die Luft ausging. Sie holte Atem, ich dachte, es wäre vorbei. Jedoch, nach einem tiefen Atemzug schrie sie weiter.
Starr stand ich da, konnte nicht begreifen, was hier vor sich ging, konnte nichts tun.
Das andere Mädchen trat auf einmal neben Sabrina, hielt ihr etwas an den Hals, ein kurzes Zischen.
Nach ein paar Sekunden wurde ihr Schreien leiser, sie erschlaffte, wurde sanft zu Boden gelegt.
Endlich löste ich mich aus dem Bann. Was hast Du getan?
Ein Beruhigungsmittel, sie schläft jetzt für etwa 8 Stunden.
Und danach?
Hoffen wir dass sie sich dann wieder fängt.
Es blieb uns nichts anderes übrig, wir mussten abwarten.

Nachdem Sabrina aufwachte, dauerte es nur einen Moment, ehe sie wieder anfing zu schreien.
Wir mussten sie wieder betäuben.

Nach weiteren acht Stunden... Es änderte sich nichts, sie schrie einfach immer weiter, wir konnten nichts tun, nur sie betäuben.
Wir selbst waren völlig fertig, hatten nicht geschlafen, kaum etwas gegessen.

Wir können so nicht weiter machen, sagte ich schließlich.
Du hast Recht, aber was tun wir dann? Wenn wir sie einfach weiter schreien lassen, wird sie daran zu Grunde gehen.
Sie noch öfter betäuben, ändert auch nichts, vermutlich bringt sie das auch um, es muss eine andere Lösung geben.
Ja, wir müssen sie zu einem Arzt bringen, der ihr helfen kann, aber das wird einige Zeit brauchen.
Legen wir sie in Stasis, in einer Rettungskapsel, darin kann sie so lange bleiben, wie die Energie reicht.

Aber wir können sie doch nicht im All aussetzen. Ich war kurzzeitig schockiert, dann kam ich auf die Antwort. Wir müssen das Triebwerk deaktivieren.
So ist es, wenn sie in Stasis liegt, haben wir genug Zeit, den richtigen Arzt zu finden.

Wir benötigten einige Zeit, eine Rettungskapsel zu präparieren, dann legten Wir Sabrina hinein und aktivierten die Stasis.
Danach setzten wir uns in die Kombüse, aßen etwas. Es war ein schweigsames Mahl, keiner fand so recht den Anfang für eine Unterhaltung.
Ich grübelte eine Weile vor mich hin, dann... Sag mal, wie heißt Du eigentlich?
Sie sah von ihrem Teller auf, kaute, schluckte.
Sie haben mir nie einen Namen gegeben.
Du brauchst einen Namen. Wie würdest Du gerne heißen.
Sie gähnte. Lass uns das später klären, ich brauche Schlaf. Und Du auch, ich hatte bei ihrem Gähnen nicht widerstehen können, auch mir entfuhr ein tiefes Gähnen.
Ja, sie hatte Recht, auch von mir forderten die letzten Stunden ihren Tribut.
Gut, gehen wir schlafen, danach sehen wir weiter.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#78

Ich erwachte nach einem tiefen und traumlosen schlaf. Auch wenn ich mich erholt fühlte, irgendetwas war seltsam. Zuerst konnte ich nicht sagen, was es war. Ich erhob mich, ging in die Hygienekammer, nachdem ich fertig war, zog ich mich an, öffnete das Schott und erstarrte.
Laute Musik klang mir entgegen, erstaunlich daran war, dass es klassische Musik war, Der Frühling aus Vivaldis vier Jahreszeiten. Wie konnte das sein, es gehörte ganz sicher nicht zu meiner Sammlung.
Der Musik folgend kam ich in die Kombüse. Das Mädchen werkelte gerade mit verschiedenen Töpfen und Pfannen, der Geruch von gebratenen Eiern und Speck, Kaffee, Spinat und... war das Hühnersuppe? Ja, es war eindeutig Suppe. All dies bereitete sie zu. Auf dem Tisch standen Butter, Brot und anderes aus dem Bestand meiner Vorräte. Die Musik war ohrenbetäubend laut, sie hatte mich nicht eintreten gehört, aber nach einer Weile nahm sie mich wahr, stellte die Musik leiser.

Hallo da bist du ja, ich hatte Hunger, und... ich hoffe, Du hast nichts dagegen, dass ich...
Sie sah mich verlegen an. Dachte wohl, sie hätte sich zu viel heraus genommen.
Ich lächelte sie an, Guten Morgen, Du hast ja ganz schön was aufgefahren, hast Du was dagegen, wenn ich mit esse?
Ihre Mine hellte sich auf, nein, das wäre viel zu viel für mich allein.
Ich setzte mich, na dann los, lass uns frühstücken.

Während wir frühstückten, sah ich sie immer wieder an, fragte mich, wie ich es am besten anfangen sollte.
Zwischen den Rühreiern, einem Marmeladenbrötchen und Schinken hob sie den Kopf, blickte mich direkt an.
Kannst mich Jana nennen, Jana Doeh.
Wie? Ich dachte, Du hast keinen...
Hatte ich auch nicht, aber den Namen, ich hab ihn die letzte Nacht geträumt. Ich hab keine Ahnung wieso, aber er... klingt richtig. Zugegeben, es gibt bessere...

Hm, Jana Doeh also? Wenn der Name für dich passt, gut, bleiben wir dabei.
Übrigens ich heiße Allan Smithey.

Auch kein besonders toller Name, oder was meinst Du?
Naja, im Gegensatz zu Dir konnte ich ihn mir nicht aussuchen, so heiße ich eben.
Passt schon.
Wir grinsten uns an.beendeten das Frühstück in angenehmen Schweigen.

Nachdem wir gesättigt waren, alles aufgeräumt und gereinigt hatten, gingen wir auf die Brücke.
Draußen vor der Cockkpitscheibe war es dunkel, durch die dünne Atmosphäre sah man etliche Sterne funkeln.
Ich sah hinaus, dachte nach.
Was machen wir mit Sabrina? Die Frage von Jana war nicht gänzlich unerwartet.
Ich denke schon die ganze Zeit darüber nach. Wir können nicht mehr für sie tun, benötigen also ärztliche Hilfe.
Und wo finden wir die?
Auf jeden Fall nicht im Imperium, vielleicht sollten wir auch die Föderation und Allianz meiden, suchen wir also ein unabhängiges System mit einer fortgeschrittenen medizinischen Einrichtung.

Die Suche nahm einige Zeit in Anspruch, eine fortschrittliche Medizin, und politische Unabhängigkeit schienen sich nicht zu vereinbaren. Entweder war das System doch irgendwie in die Politik der drei großen Mächte verstrickt, oder deren Medizin auf einem Niveau, das eher an die Zeit vor der Entdeckung des Whitchspace erinnerte. Diktaturen oder Theokratien legten anscheinend auch nicht viel wert auf umfassende medizinische Versorgung, letztere vermutlich aus Furcht vor göttlicher Strafe.
Schließlich fand ich das eine Goldkörnchen in dem Reissack.
Es war weit entfernt am südöstlichen Perimeter der Bubble, 15 Sprünge würden dorthin notwendig sein.
Das System mit der Bezeichnung E-Jenner hatte einen Klasse K-Stern und 7 Planeten, keiner war ohne technische Hilfsmittel bewohnbar, die einzige, große Basis; Laennec genannt; in dem System befand sich auf dem zweiten Planeten.
Hier fand sich laut Galnet eine der fortschrittlichsten Medizinischen Einrichtungen im Umkreis von 82 Lichtjahren. Die Apgar-Klinik schien, soweit ich dies hatte eruieren können, bestens geeignet, um uns zu helfen.
Nach dem Scan steuerte ich den zweiten Planeten an, navigierte mich in die Nähe der Station und forderte die Landerlaubnis an.

Alpha Lima Alpha... die übliche Anrede und Informationen für den Anflug, dann aber: Was ist der Zweck ihrer Anfrage?
Das war neu, vielleicht wurde das Protokoll hier anders gehandhabt?
Egal, ich hatte nichts zu verbergen, also gab ich Auskunft: Ein medizinischer Notfall, wir wollen die hiesige Klinik aufsuchen.
In dem Fall fliegen Sie zu Landebucht 9. Es knackte in der Leitung, eine andere Stimme sprach. Ich bin vom Medizinischen Dienst, um effektiv helfen zu können benötigen wir mehr Informationen, können Sie den Notfall präzisieren?
Ja, ich habe eine.. ich zögerte kurz, sollte ich die Wahrheit sagen? Vermutlich würden sie Sabrina besser helfen können, wenn ja... ehemalige Sklavin, die nach ihrer Befreiung anfing zu schreien und damit nicht mehr aufhören konnte. Kurzes Schweigen in der Leitung, dann:
Was haben Sie unternommen, in welchem Zustand ist die Patientin jetzt?
Ich erklärte alles soweit wie möglich, hangelte mich durch das weitere Frage- und Antwort-Gespräch. Am Ende wurde mir mitgeteilt, dass sie einen Spezialtransport für die Rettungskapsel bereit stellen würden.
Nach der Landung wartete tatsächlich ein spezieller Transporter samt Medizinischem Personal auf uns.
Sie verluden mit professioneller Präzision die Kapsel auf das Fahrzeug, checkten die Daten und fuhren los.
Ein verbliebener Mann gab mir ein Pad.
Bitte füllen Sie die Formulare aus, das Pad zeigt ihnen auch, wo Sie sich hin wenden müssen, um mehr zu erfahren. Dann eilte er auch davon.

Ein wenig verwundert standen ich und Jana im Hangar. Ich sah mir das Pad an. Etliche Angaben waren gefordert, ich versuchte alles soweit mir möglich auszufüllen. Bei Fragen, deren Antwort ich nicht wusste, konnte man ein Fragezeichen eingeben.
Nachdem ich mich durch die Formulare gearbeitet hatte, wurde mir ein Lageplan samt Wegbeschreibung angezeigt.

Wir wurden in die Klinik gelotst, dort ging es durch breite, hell erleuchtete Korridore, vorbei an Patientenzimmern, Behandlungsräumen und anderem bis zu einem Schott, es öffnete sich automatisch, als wir nahe heran waren.
Der Raum dahinter war geräumig, aber sparsam eingerichtet An einer Wand fand sich ein großer Bildschirm auf dem ein Wald zu sehen war. Gegenüber ein Regal in dem neben Datenträgern einige echte Bücher standen.
Ein großer Schreibtisch mit etlichen Konsolen und in einer Ecke noch ein Sofa mit kleinem Beistelltisch ergänzten das ganze.

Kaum waren wir eingetreten, kam auch noch ein älterer Herr im weißen Kittel herein.
Hallo, ich bin Doktor Klaus Knochenwitz, wir haben ihre, er machte eine fragende Pause, ich half Ihm mit Reisegefährtin aus.
Ihre Reisegefährtin untersucht. Körperlich ist sie völlig gesund und in sehr guter Verfassung.
Um sie weiter untersuchen zu können, müssten wir die Stasis aufheben. Bevor ich das veranlasse, würde ich gerne von Ihnen hören, was denn das Problem ist.

Ich erzählte ihm, wie ich Sabrina gefunden hatte, ihre Lebensumstände, und was ich getan hatte.
Kaum hatte ich sie befreit, begann sie zu schreien, und wir konnten nichts tun, um es zu beenden. Als letzte Möglichkeit haben wir sie dann in die Stasis gelegt.

Ah ich beginne zu verstehen, sie sagten, die Patientin war ihr Leben lang versklavt?
Ja, genau das sagte ich.
Dann.. vermute ich, dass sie psychisch nicht auf ihre Freiheit vorbereitet war, das vermeintliche Geschenk der Freiheit hat sie, die noch nie eine eigene Entscheidung getroffen hat, absolut überfordert.
Ja das klingt einleuchtend, warf ich ein, aber warum ist meine andere Begleitung davon nicht betroffen? Sie müssen wissen, dass ich ihr gleichzeitig mit Sabrina die Freiheit geschenkt habe.
Und sie scheint, obwohl sie ebenfalls in Sklaverei aufwuchs, nicht die geringste Schwierigkeit mit der Freiheit zu haben.
Ahh, das Gehirn ist für die Medizin in vielen Bereichen immer noch ein Rätsel, wir können also nur Vermutungen anstellen, wieso sie anders reagiert.
Aber zurück zu der Patientin, deren Behandlung kann nicht bei der Physis ansetzten, sondern bei der Psyche.
Es ist also notwendig, die Patientin aus der Stasis zu holen, damit sie behandelt werden kann.

Aber, sobald sie wach ist, wird sie wieder schreien und nicht mehr aufhören...
Sicher deshalb müssen wir ihr gleich zu Beginn ein spezielles Sedativum verabreichen, das ihre mentalen Funktionen nicht betäubt, sondern reguliert, so dass wir mit der eigentlichen Behandlung beginnen können.

Es gibt da nur noch ein Problem, ihren Angaben entnehme ich, dass sie nicht verwandt sind, daher greift ihre Versicherung nicht.
Und schon geht es los, hörte Ich Jana flüstern, gleich zieht er uns den letzten Pilotensuit aus.
Dass es um Geld ging, war klar, ich ging einfach direkt aufs Ziel los.
Was kostet die Behandlung denn?
Er tippte etwas in das Terminal auf seinem Tisch. Dann sah er mich direkt an.
Eine erstklassige Behandlung verlangt natürlich einiges. Einzelzimmer, Chefarztbehandlung, tägliche Visite, auf den Patienten abgestimmte Therapie, Medikamente und personal Training.
Die komplette Behandlung kostet pauschal 127 Millionen.


Mir fiel die Kinnlade herunter, die Summe die er genannt hatte, würde beinahe alle meine Mittel verschlingen.
Ohweiha, ich habs doch gesagt, Jana´s Flüstern klang in der Stille des Raumes ohrenbetäubend laut.
Gibt es auch etwas weniger kostspieliges? Die Frage rutschte mir einfach heraus.
Das Gesicht des Arztes fror förmlich ein.
Nun wir können natürlich auch die Standardisierte Behandlung für mittellose ansetzen.
Das bedeutet dann die Unterbringung in der Gemeinschaftsunterkunft. Halbmonatliche Visite durch die Assistenzärzte, experimentelle Medikamente von unseren Pharmavertretern...

Gibt es nichts dazwischen? Unterbrach ich ihn.
Er sah mich verdutzt an. Dazwischen? Was meinen Sie?
Na etwas besseres als die Standardbehandlung, aber nicht so teuer wie ihr erster Vorschlag.
Wieder dieser Blick. Unverständnis in seinen Augen.
Aber, wir haben doch nur die zwei Tarife...
Ich stöhnte innerlich auf, nach Außen mühte ich mich ab, keine Mine zu verziehen.
Rechnete noch mal alles durch, es würde knapp werden, doch... Nein ich konnte Sabrina nicht im Stich lassen, das würde ich nicht über mein Herz bringen.
Wenn das so ist, dann hätte ich gerne die beste Behandlung für meine Begleiterin.
Seine Mine hellte sich wieder auf, er zeigte sein bestes Lächeln.
Dann bitte ich um die Zahlung.
Er schob mir ein Pad hin, ich quittierte die Summe. Erledigte die letzten Formalitäten.

Danach konnten wir beobachten, wie die Kapsel mit Sabrina in einen Behandlungsraum verbracht wurde. Mehrere Ärzte stellten alles mögliche an medizinischem Gerät bereit. Danach wurde die Kapsel geöffnet, kurz bevor Sabrina endgültig aus der Stasis erwachte, bekam sie von einem der Ärzte eine Injektion.
Danach traten die Ärzte zurück, Sabrina öffnete die Augen, hob die Hände zum Kopf, ein Schrei entfuhr ihr, lang gezogen, schrill. Nach kurzer zeit wurde sie leiser, ein fragender Blick zeigte sich auf ihrem Gesicht. Sie sah sich um, sah auf ihre Hände und dann zu den Ärzten.
Sie sprachen eine weile mit ihr, dann wurden wir herein gebeten.
Sie haben gesagt, Du hast mich hier her gebracht und dafür gesorgt, dass ich gesund werde.
Ja, ich konnte nicht anders. Du hast nur noch...
… geschrien, ja das sagte man mir.
Die Ärzte ließen uns eine Weile allein, dann mussten wir uns verabschieden, man sagte uns, dass es für Sabrinas Gesundungsprozess nötig wäre, dass wir uns eine Weile nicht sehen.

Wir verabschiedeten uns, bekamen eine Adresse für den Kontakt und verließen die Klinik.
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Re: Eine Pilotenkarriere - Der Anfang

#79

Wir kehrten zurück zum Schiff, gingen an Bord, ich holte die Starterlaubnis ein, und entfernte mich von dem Planeten, einige Lichtminuten über der Ekliptik stoppte ich die Maschinen, wir trieben antriebslos weiter.
Sag mal, was hattest Du eigentlich vor, nachdem Du uns befreit hast?
Ich weiß es nicht genau, musste ich zugeben. Vermutlich Euch irgendwo unterbringen wo es sicher wäre, mit genug Geld, dass ihr die Pilotenlizenz machen könnt und dazu ein Schiff kaufen.
Ganz schön großzügig, aber daraus kann jetzt nichts mehr werden, nachdem Du dein ganzes Geld für uns ausgegeben hast..
Stimmt, ich bin ziemlich pleite.

Und was tun wir jetzt?
Die Frage überraschte mich.
Wir?
Ja, wir.
Warum?
Seit ich frei bin, habe ich Dich beobachtet, Du hat nicht nur mein Leben gerettet, sondern dich auch um Sabrina gekümmert, als sie nach der Befreiung durch gedreht hat. Es hätte genug andere Menschen gegeben die sie danach einfach aus der Schleuse geworfen hätten. Und in der Klinik, kaum jemand anderes hätte die teure Behandlung bezahlt. Du bist eindeutig ein besserer Mensch, als ich dachte.
Ich nickte nur.

Wie viel ist denn noch übrig?
Gerade genug um die Betriebskosten des Schiffes noch eine Woche zu zahlen. Wenn ich nicht schnell etwas verdiene, dann...
Sieht es düster aus, ja, also sollten WIR etwas dagegen tun. Aber, hier machte sie eine bedeutungsvolle Pause, wir werden nicht miteinander schlafen.
Ich musste lachen, nein, das ist mir klar.
Dann noch mal, was tun wir jetzt?
Ich sah sie an, ich bin fast pleite, das bedeutet, wir müssen uns mehr Kapital verschaffen.
Davon hab ich keine Ahnung, wie macht man das?
Ich überlegte kurz, wir suchen uns zuerst ein passendes System, dort gehen wir das Missionsboard durch. Passende Missionen nehmen wir an und führen den Auftrag durch. So bekommen wir zuerst mal eine Basis, ohne groß Eigenkapital einsetzen zu müssen. Haben wir dann einen Grundstock, können wir Handel treiben, also Waren günstig kaufen und mit Gewinn verkaufen.

Wir nahmen jeden Auftrag an, mit dem wir etwas verdienten, es war anfangs nicht viel, aber solange es mehr einbrachte, als wir ausgaben, ging es voran.
Eine Woche verging, zwischen den Aufträgen brachte ich Jana bei, wie das Schiff funktionierte.
Sie lernte alles über die Einstellung der Lebenserhaltung, Sauerstoff, Temperatur, Wasseraufbereitung. Die Energieversorgung stellte sie vor neue Herausforderungen, schickte sie kreuz und quer durch das Schiff, biss sie auch im Dunklen jedes System gefunden hätte.
Immer wieder sah ich, dass sie nach den Waffenkontrollen schielte. Sollte ich sie auch dort einweisen? Warum nicht, dachte ich.
Zwei weitere Wochen waren vergangen, unsere Finanzen verbesserten sich, doch war es noch immer nicht genug, als dass ich ohne zu großes Risiko den Frachtraum auf eigene Rechnung voll bekam.
Mehrere einfache Transportmissionen brachten uns von System zu System. Nun ließ ich Jana verschiedene Systeme bedienen, bald konnte ich mich dabei voll auf sie verlassen. Nur die Steuerung musste ich selbst übernehmen, da sie keine Pilotenlizenz hatte.

Während einer Auftragsflaute in einem System, das höchstens alle zwei Wochen ein Schiff aufsuchte, sah ich die Gelegenheit, ihr die Waffenkontrolle beizubringen.
Nach kürzester Zeit wusste sie damit umzugehen, stolz konnte ich beobachten, wie sie in eine Asteroidenfeld alle Ziele, die ich ihr vorgab präzise anvisieren und treffen konnte. In mir regte sich ein warmes Gefühl, Stolz.

Im nächsten belebteren System kontaktierte ich die Klinik, der Arzt hatte leider keine Zeit, mit mir zu sprechen, es wurde mir jedoch versichert, dass Sabrina Fortschritte mache. Sie hatten sie medikamentös eingestellt, so dass sie nun stabil war. Sprechen konnte ich sie aber auch nicht, man teilte mir mit, dass dies für ihren Heilprozess notwendig wäre. Sobald sie in die nächste Phase käme, und ein Kontakt den Prozess nicht behindern würde, würden sie mich kontaktieren.

Als nächstes brauchten wir beide ein wenig Ruhe, hier auf der Station gab es günstige Zimmer, wir schliefen uns aus, frühstückten danach und versuchten, ein paar gute Aufträge zu bekommen.
Hier herrschte jedoch gerade eine Rezession, es gab nichts vernünftiges.

Nichts zu holen, meinte Jana, das wird ein toter Tag.
Ja, aber so was wird es immer wieder mal geben, wenn das passiert, kannst Du nur nach vorne schauen und das Beste daraus machen.
Und wie?
Ach einfach mal abwarten, gehen wir in die Bar und trinken was, danach sehen wir weiter.

Die Bar war drei Decks tiefer gelegen, trotz der Rezession war sie gut besucht. Wir konnten gerade noch einen Platz in einer Ecke ergattern, Jana hielt mir den Platz frei, während ich an der Bar die Drinks orderte.

Na, wohl auch wegen der großen Versteigerung hier? Fragte mich der Barkeeper.
Versteigerung? Nie davon gehört, um was geht es da?
Er deutete neben sich auf die Wand, dort hing ein altmodisches Plakat, ich nahm die Drinks und sah es mir genauer an.
Ein großer Händler war pleite gegangen, um die ärgsten Schulden zu Tilgen, wurde sein Lagerbestand heute Nachmittag unter den Hammer gebracht.
Vielleicht war das die Gelegenheit, etwas günstiges zu bekommen, das wir dann anderswo zu guten Credits machen konnten. Den Versuch war es wert.

Ich notierte mir noch die Adresse, danach eilte ich zu Jana.
Sie nahm ihren Drink und fragte mich. Warum hast Du denn so lange auf die Wand gestarrt?
Hab was gefunden, sagte ich, da findet heute ne Versteigerung statt, vielleicht kriegen wir da ne gute Ladung für uns.
Versteigerung? Was ist das?
Sie kannte das nicht, kein Wunder, ihr waren ganz andere Dinge bei gebracht worden. Ich erklärte ihr, worum es dabei ging und wie man dabei etwas günstig erwerben konnte.
Okay, aber woher wissen wir, was wir nehmen sollen?
In einer halben Stunde öffnen sie dort die Türen, dann kann man sich informieren, was alles verkauft wird. Wir sehen uns dort um, notieren interessante Angebote, schauen, wo wir das dann verkaufen können und was wir vorher maximal ausgeben.
Ahh, machte Jana, das ist so was wie eine... wie war das Wort? Moment, ähhh Lotterie? Man setzt auf etwas und hofft, dass man gewinnt?
Nicht ganz, wir prüfen vorher, was da ist und ob und wo wir es dann verkaufen können. Gewinnmaximierung mit Risikobewertung nennt man das.
Jana dachte nach, dann nickte sie. Okay, das will ich erleben.
Dann trink aus, wir gehen hin und sehen uns um.
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