Eine kleine Unruhe blieb allerdings, ich wusste nicht, ob das Geld für mein aktuelles Vorhaben reichen würde, doch das lies sich nur heraus finden, wenn ich es versuchte.
Als nächstes brauchte ich ein System nahe genug an TIPPU TIP, jedoch nicht im Imperialen Raum gelegen. Nach einer Stunde Suche in der Karte hatte ich etwas gefunden. Es lag noch im föderalen Raum und hatte eine große Coriolis-Station unter föderaler Kontrolle. Dorthin setzte ich einen Kurs.
Am nächsten Tag kamen wir dort an, dockten an und nach einer kurzen Besprechung mit Sabrina verließ ich das Schiff.
Ich hatte lange nach gedacht, ob ich mit einem eigenen Schiff auf die Station mit dem angeblichen Waisenhaus fliegen wollte, doch dann entschieden, dass ich lieber anonym bleiben wollte. Deshalb suchte ich in der Station den APEX-Schalter auf, charterte ein Schiff, das mich nach TIPPU TIP bringen würde. Mit dem Fernshuttle konnte ich jedoch nicht die Bodenstation auswählen, sondern musste die im Orbit befindliche Coriolis-Station auswählen.
Unterwegs versuchte der Pilot, ein Gespräch mit mir anzufangen, wollte wissen, wohin ich flog und warum. Eigentlich war er ja nett, doch mein Vorhaben sollte geheim bleiben, so gab ich nur einsilbige, unbestimmte Antworten. Schnell merkte er, dass ich keine Konversation machen wollte. Endlich gab er es auf und wir beide verfielen in ein unangenehmes Schweigen.
Die Stille nutzte ich zum Nachdenken. Ich war mir unsicher, wie ich mich bei dem Waisenhaus vorstellen sollte. Ob ich sagen sollte, ich wolle für mich kaufen, oder ob ich vorgeben sollte, für jemand anderen zu kaufen? Letzteres wäre jedoch komplizierter, je nachdem welche Fragen dann kämen.
Letztendlich würde ich wohl improvisieren müssen, je nachdem was dort auf mich zukommen würde.
Dass ich jedoch so anonym wie möglich bleiben wollte, war für mich eine feststehende Tatsache.
Am Ziel angekommen würde ich dafür einige Maßnahmen ergreifen müssen.
Der Rest des Fluges war nicht sehr angenehm, der Pilot und ich, beide waren wir froh, als wir endlich angekommen waren.
Ich stieg aus, ging in die nächste Bar, bestellte mir einen Drink, wartete etwa eine Stunde, ging in einen Laden für gebrauchte Raumanzüge, verließ den Laden mit einem halbwegs neu aussehenden Dominator. Suchte eine Bank auf, eröffnete dort ein namenloses Konto, zahlte darauf 350 Millionen ein, erhielt einen Creditchip, mit dem ich zu zahlen gedachte.
Meinen eigenen Artemis brachte ich in ein Schließfach.
Dann ging ich wieder zum APEX-Schalter.
Dort buchte ich jetzt einen Flug zur Station PEDRO BLANCO. Zuerst machte ich mir noch Sorgen, dass ich schief angesehen werden könnte. Doch niemand störte sich an meinem Ziel, die Person am Schalter, eine nette Dame in mittlerem Alter, wünschte mir sogar noch mit strahlendem Lächeln einen guten Flug.
Ich ging zu dem zugewiesenen Hangar, stieg in eine brandneue Hauler, setzte mich auf den zugeteilten Platz, der Pilot grüßte kurz, konzentrierte sich dann auf seinen Flug. Er versuchte gar nicht erst, ein Gespräch anzufangen. Dennoch war es im Cockpit nicht unangenehm. Irgendwie schaffte er es, das Schweigen nicht unfreundlich erscheinen zu lassen.
Nach einer halben Planetenumrundung ging er in den Landeanflug über, wir näherten uns rasch der Oberfläche. Bald kam die Station in Sicht, zuerst als kleiner Punkt, der größer wurde, das diffuse Etwas löste sich in unterscheidbare Strukturen auf, bald erkannte ich, dass es eine wirklich riesige Station war. Rings um die eigentliche Station zog sich ein Ring von Landebuchten, Hangars und aller für den Flugbetrieb notwendigen Infrastruktur. Schiffe landeten, flogen ab. Die Kommunikation verlief über unzählige Funkkanäle, trotzdem wäre das einzelne Gespräch in dem allgemeinen Aufkommen untergegangen und unverständlich, hätte nicht jedes Schiff eine zusätzliche digitale Signatur zugewiesen worden. Der Pilot holte sich seine Frequenz und Signatur, danach forderte er die Landeerlaubnis an.
Aufgrund des hohen Flugaufkommens wurde ihm jedoch eine Warteposition zweitausend Meter über der Station zugewiesen, er kreiste in der Höhe eine halbe Stunde, dann bekam er endlich ein Landepad zugewiesen. Rasch brachte er das Schiff hinunter, landete zielsicher, das Schiff wurde nach unten gebracht und endlich konnte ich aussteigen.
Rasch orientierte ich mich an einem Terminal, mein Ziel lag auf der dritten Ebene im inneren Ringkorridor.
Ich machte mich auf den Weg, nach kurzer Zeit stand ich vor einem unscheinbaren Schott. Ein Meldeschalter daneben, weder ein Name oder anderes stand darunter.
Auf dem Weg zu dem Schott war mir aufgefallen, dass es kein anderes Schott im üblichen Abstand gab. Der Bereich hinter dem Schott musste also sehr groß sein.
Wahrscheinlich würde ich das gleich erfahren, es gab also keinen Grund, länger zu warten.
Ich drückte auf den Schalter. Ein Ton erklang.
Ich wartete, eine Minute verging, nichts passierte.
Sollte ich den Schalter noch einmal betätigen?
Ich wollte gerade die Hand bewegen, als das Schott auffuhr, dahinter stand ein Typ, ebenfalls in einem Dominator. Auf seinem Rücken konnte ich links und rechts die Schulterstücke von Gewehren sehen. Was für Typen, war nicht zu erkennen. Der Blaster in seiner Hand dagegen, das violette leuchten im Lauf sagte mir eindeutig, dass er jeden Moment eine entsicherte Energiewaffe auf mich hätte richten können.
Sie sind wohl falsch abgebogen?
Nein, ich bin genau richtig, oder verkaufen Sie hier nicht, wie man mir gesagt hat?
Ob ich mich damit zu weit vor gewagt hatte? Ich achtete peinlich genau darauf wie er den Blaster hielt, war bereit, mich beim kleinsten Zucken zur Seite zu werfen.
Er musterte mich sehr lange, dann fragte er:
Wer hat Ihnen das denn gesagt?
Ein Freund, wichtiger Typ im Imperium, mehr darf ich nicht verraten.
Sein Name?
Ich lächelte nur und schwieg. Blickte ihn fest an.
Nach einer gefühlten Ewigkeit lächelte er zurück, die Hand mit dem Blaster entspannte sich, er sicherte die Waffe und steckte sie weg.
Hohe Empfehlung also, das genügt uns. Kommen Sie herein.
Ich trat ein, in einen kleinen Raum, darin ein Tresen, dahinter stand eine ältere Frau. Sie strahlte mich an.
Ein neuer Kunde, seien Sie uns willkommen, hier verkaufen wir nur das beste vom Besten.
Bitte treten Sie näher, aber leider, leider, sie müssen ihre Waffen abgeben.
Sie deutete auf ein Schließfach, dessen Tür offen stand, ein altmodischer Schlüssel steckte in der Tür, bitte da hinein.
Besser ich spielte mit, also legte ich meine Waffen in das Schließfach, verschloss es und steckte den Schlüssel in eine Tasche meines Anzuges.
Sehr schön, sehr schön, sie kommen unangemeldet, tut mir leid, tut mir leid, aber da müssen wir erst ein wenig vorbereiten. Was suchen Sie denn, das muss ich wissen?
Nun sehen Sie, ich gehe demnächst auf eine lange Reise in die tiefen der unerforschten Galaxie.
Und dort draußen wäre es schön, etwas Gesellschaft zu haben. Jemand mit dem man reden kann. Und der einem Gesellschaft leistet, speziell dann, wenn... Ich brach hier bedeutungsvoll ab, zwinkerte ihr zu. Sie verstehen sicher, was ich meine?
Ja sicher, das versteh ich voll, genau dafür sind wir da. Offensichtlich hatte ich genau den richtigen Ton getroffen.
Aber eines muss ich noch wissen, was wirklich wichtiges, nämlich wie viel Sie aus zugeben bereit sind? Sie warf mir, immer noch strahlend, einen koketten Augenaufschlag zu, dabei machte sie jedoch mit der rechten Hand die universelle Geste für Geld.
Ich legte wortlos den Creditchip auf den Tisch, ohne meine Zustimmung konnte sie nichts abbuchen, nur sehen, welchen Betrag ich zur Verfügung hatte.
Sie legte den Chip auf ein Display, Zahlen erschienen darauf.
Ah, ich sehe schon, seh schon, nur so wenig. Na für unsere B-Ware reicht es, reicht gerade. Nur keine Sorge, Mr....
Smith, sagte ich kurz angebunden.
Sie strahlte mich noch heller an, wie schaffte sie das nur?
Mr. Smith, keine Sorge, das ist einwandfreie Ware, keine Beschädigungen, nur halt nicht unser bestes Angebot, taugt aber vollkommen, keine Sorge.
Aber, wir brauchen jetzt noch ein wenig Zeit, was machen wir so lange nur?
Sie redete ohne Pause, strahlte mich dabei immer weiter an.
Was halten Sie von einer Führung? Ja das wär doch was, ich lasse unseren Schulleiter kommen, der zeigt Ihnen dann alles.
Sie holte einen Kommunikator heraus. Öffnete einen Kanal, das Strahlen erlosch abrupt, und rief hinein:
Nabil, schwing deinen Hintern hier her, wir haben Kundschaft, die eine Führung braucht.
Sie sah wieder mich an, ihr Strahlen war wieder da, als wenn sie einen Schalter umgelegt hätte.
Nabil Vanegas Jaimes ist unser Schulleiter, der Zeigt Ihnen alles, bis wir soweit sind. Keine Sorge das wird Ihnen Gefallen, tut es bestimmt.
Sie redete und strahlte weiter bis ein älterer Herr mit dunkelgrauem Anzug auf uns zu kam.
Guten Tag verehrter Herr begrüßte er mich mit tiefer Bassstimme. Gitte sagt, ich soll Sie herum führen, dann folgen Sie mir mal.
Er ging einfach auf die Wand zu, kurz bevor er sie erreichte, öffnete sich dort ein bisher unsichtbares Schott.
Neugierig folgte ich ihm, vielleicht würde ich so ja noch nützliche Informationen bekommen.
Wie ich erfuhr, führte er mich durch eine Reihe von Gängen, die den Bewohnern weder zugänglich, noch bekannt waren. Hier konnte man beobachten, ohne dass sie etwas davon erfuhren.
Dann verhält sich unsere Ware natürlich, wir wollen ja keinen falschen Eindruck für unsere Kunden liefern.
Zuerst zeigte er mir, wie die Mädchen hier wohnten, darunter war auch ein absolut ungefilterter Blick in die Hygieneräume. Es gab absolut nichts, das einem Beobachter hier verborgen blieb.
Er genierte sich nicht einmal, mir zu zeigen, wie ein Mädchen die Toilette benutzte.
Danach führte er mich an verschiedenen Sportanlagen vorbei, zeigte mir die Gemeinschaftsräume.
Als nächstes folgten Zimmer für sehr persönliche Schulungen, in einem dieser Räume war ein nacktes Mädchen gerade mit einem jungen Mann zu Gange.
Innerlich widerte es mich an, wollte ich gar nicht zusehen, musste aber gute Mine machen und Interesse heucheln.
Als nächstes kam ein Schulzimmer, hier wurde den anwesenden Mädchen gerade ein Vortrag gehalten.
Ah da haben Sie Glück, sprach der Schulleiter, das hier ist ein Schlüsselelement unserer Erziehung. Das kann man nicht oft beobachten, findet in jedem Schuljahr nur ein paar mal statt.
Dann muss es ja wichtig sein, gab ich Interesse heuchelnd vor. Was genau passiert da denn?
Wollen Sie zuhören?
Ist das denn möglich?
Natürlich, er holte ein kleines Gerät hervor, betätigte eine Schaltung und auf einmal war zu hören was in dem Raum gesprochen wurde.
...ist das schaffen von dauerhaften Werten eine Illusion.
Die Menschheit, gefangen in den Wirren der Zeit, erschafft Werke, anscheinend von beeindruckender Schönheit und Komplexität. Doch inmitten ihrer Schaffenskraft und Innovationsfreude wird sie von einer unausweichlichen Realität konfrontiert: der Vergänglichkeit ihrer eigenen Werke im Angesicht der kosmischen Zeiträume. Deshalb erkennen wir die Sinnlosigkeit von menschlichen Schöpfungen anhand der endlosen Weite des Kosmos.
Die Kurzlebigkeit menschlicher Werke ist offensichtlich.
Die Errungenschaften der Menschheit, seien es Bauwerke, Kunstwerke oder technologische Innovationen, scheinen auf den ersten Blick von Beständigkeit geprägt zu sein. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar, dass alles, was Menschen schaffen, dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit unterliegt. Monumente, die Jahrhunderte überdauert haben, erodieren und zerfallen letztlich doch.
Die Pyramiden von Gizeh, die antiken Tempel Griechenlands oder die majestätischen Kathedralen des Mittelalters - sie alle verfallen im Laufe der Zeit zu Staub. Selbst modernste Technologien, so bahnbrechend sie auch sein mögen, sind nicht immun gegen den Zahn der Zeit. Die Vergänglichkeit menschlicher Werke ist eine unausweichliche Realität, die jede Ära betrifft.
Die kosmische Perspektive vertieft die Sinnlosigkeit des Schaffens nur noch.
Betrachtet man die zeitliche Dimension des Universums, wird die Flüchtigkeit menschlicher Werke noch deutlicher. Der Kosmos, geboren vor rund 13,8 Milliarden Jahren, hat eine Geschichte, die in unvorstellbar langen Zeiträumen gemessen wird. Galaxien entstehen, sterben und kollidieren, Sterne vergehen, und ganze Planetensysteme verschwinden im Nichts.
Vor diesem kosmischen Hintergrund erscheinen die Werke der Menschheit, die oft nur Jahrtausende oder Jahrhunderte alt sind, als winzige, flüchtige Lichtblitze. Selbst die beeindruckendsten Errungenschaften der Menschheit verblassen im Vergleich zu den unendlichen Weiten des Universums. Die Erde selbst wird irgendwann dem unaufhaltsamen Lauf der Zeit erliegen, wenn die Sonne ihre Energie erschöpft und zu einem Roten Riesen wird.
Dies betrifft ebenso alle anderen von Menschen besiedelten Systeme, nicht ein Habitat, ob natürlich oder künstlich geschaffen kann dem Sterben der Sterne widerstehen.
Die absolute Bedeutungslosigkeit im Angesicht der Vergänglichkeit ist unübersehbar.
In der Vergänglichkeit menschlicher Werke und ihrer Bedeutungslosigkeit im kosmischen Maßstab liegt darin eine absolute Tragik. Die Kreativität und Schaffenskraft der Menschheit, ihre Bestrebungen, ihre Suche nach Bedeutung und Schönheit haben in der Endlichkeit keinen Bestand.
Die Vergänglichkeit menschlicher Werke im Bezug zu kosmischen Zeiträumen wirft ein verzehrendes Licht auf die Menschheit und ihre kulturelle Evolution. Unsere Schöpfungen erliegen der Kurzlebigkeit. Sie tragen ausschließlich dazu bei, die Sinnlosigkeit unserer Existenz einzufangen. In unserem Bestreben, dem Universum einen Hauch von Dauer zu verleihen, auch wenn die Sterne längst erloschen sind, verfallen wir der absoluten Bedeutungslosigkeit.
Der Vortrag war noch länger, doch hier schaltete ich innerlich ab. Zu negativ wurde hier die menschliche Existenz dargestellt. Damit konnte ich absolut nicht konform gehen.
Es kam mir fast so vor, als würde ich wieder mit Sabrina über Sinn und Unsinn meiner Forschung...
Schlagartig wurde mir klar, wie perfide hier vorgegangen wurde. Es fiel mir einen Moment lang sehr schwer, meine Maske aufrecht zu halten. Zum Glück sah der Schulleiter nicht mich an, sondern verfolgte gebannt den Vortrag und beobachtete, wie die Mädchen darauf reagierten.
Hier wurde den Mädchen eingetrichtert, dass ihre Existenz absolut sinnlos war, sie nie etwas dauerhaftes schaffen könnten. Kein Wunder, dass Sabrina sich nie an der Schönheit des Universums hatte erfreuen können. Vermutlich waren sie, sobald sie diese Lehren verinnerlicht hatten, bereit für ihr Leben als Sklavinnen.
Das Entsetzen fraß sich tief in mich, zeigte sich wohl auf meinem Gesicht, doch ich musste meine Maske bewahren, konnte mich aber nicht mehr beherrschen, ich...
NABIL! Bring unseren Gast in den großen Saal, wir sind für die Vorführung bereit.
Über unsichtbare Lautsprecher hatte Gitte nach uns gerufen.
Mein vor Entsetzen verzerrtes Gesicht löste sich durch den Schreck. Nabil drehte sich zu mir, ich hatte mich wieder gefangen.
Kommen Sie, hier entlang, wir gehen in den großen Saal.
Dort angekommen erwartete uns Gitte, ein Tisch mit Getränken, davor ein bequemer Sessel, ich sollte dort platz nehmen. Vor mir eine Bühne mit geschlossenem Vorhang.
Dann wollen wir mal beginnen, sprach Gitte mich an, wir führen jetzt die Mädchen vor, aus denen Sie ihre Wahl treffen dürfen.

